"Lernt gerne neue Sachen und hat gerade kreative Phase" - Warum der Social Workplace den Social Status braucht
Als unsere Bianca Gade die Blogparade zum Arbeitsplatz der Zukunft offiziell eröffnet hat, fiel mir direkt ein Thema ein, mit dem ich mich schon lange beschäftige: Wie oft habe ich mir schon gewünscht beim Entwickeln neuer Ideen Co-Brainstormer zu finden? Und wie oft war ein Kollege über meine kurz abgebundene Antwort verärgert, wenn er mich mit seinem Anruf in einer stressigen Situation erwischt hat? Wenn wir uns gegenüberstehen, stellen wir Vermutungen zur Stimmung des anderen über Mimik, Körperhaltung und weitere Signale an; wie kann das im Social Workplace klappen? Der Online Status als digitale Körpersprache wie wir ihn von Instant Messaging Programmen oder Skype kennen geht selten über "online|away|offline" hinaus. Vielmehr setzen in den wenigsten Unternehmen Mitarbeiter den Status aktiv selbst, so dass schnell "Away" steht wo eigentlich jemand grübelnd vor dem Rechner sitzt und Hilfe aus dem Kollegennetzwerk gut gebrauchen könnte. Wir brauchen also eine bessere Form des Status, die genauso agil ist wie das soziale Netzwerk der Menschen um uns herum. Wir brauchen einen Social Status.
Technik mit Gefühl
Das Problem des manuellen Status ist mit dieser Erkenntnis aber noch nicht aus der Welt. Technik und Netzeffekte bringen neue Lösungen:
- Aktivitäten werden zum Status: Auf vielen Plattformen ist heute schon der letzte veröffentlichte Post der auf dem Profil angezeigte Status. Im Unternehmensalltag machen zusätzlich noch Aktivitäten Sinn, da bereits in Bearbeitung nehmen eines Dokuments oder anlegen einer Wiki Seite viel über meine aktuelle Stimmung sagt: Hat ein Mitarbeiter vor 3 Minuten das Reporting-Excel-Sheet geöffnet ist er sicher in weniger kooperativer Stimmung als wenn er gerade eine Frage zu einem Thema veröffentlicht hat, an dem ich auch gerade arbeite.
- Im Netz unseres sozialen Arbeitplatzes äußern wir uns regelmäßig und transportieren dabei oft auch unsere Stimmung. Bereits heute leiten Dienste wie Klout oder Tweetfeel Stimmungen und Themen aus unseren Posts und Tweets ab, ohne dass man diese explizit benennt.
- Sensoren: Unser Stresslevel kann über den Hautwiderstand und andere Parameter ermittelt werden. Auf eSport Turnieren tragen Spieler Armbänder, die die Stimmung der Teilnehmer übertragen. Und mit me-trics kann ich meinem Arzt oder Trainer Zugriff auf aktuelle Biodaten von mir gewähren. Was für Freizeit und Marktforschung heute schon Alltag ist, kann auch den Social Status am Arbeitsplatz bereichern: Ein hoher Stresslevel kann mich so im einfachsten Fall vor Anfragen zum falschen Zeitpunkt schützen.
Drei Beispiele
Wie hilft der Social Status jedoch konkret am vernetzten Arbeitsplatz, dem Social Workplace? Drei Fälle, die heute meist unbefriedigend gelöst sind:
- Neue Ideen entwickeln
Neben den großen Brainstorming-Sitzungen gibt es im Alltag jeder Abteilung Situationen, in denen Mitarbeiter schnell neue Ideen entwickeln müssen. Über den Social Status findet der Mitarbeiter schnell gleichgesinnte in ähnlicher Stimmung, die ihn unterstützen können. - Arbeitsaufgaben autonom besser verteilen
Braucht ein Mitarbeiter Unterstützung aus dem Netzwerk, lenkt der Social Status den Blick auf Mitarbeiter, die gerade gut verfügbar sind. So gewinnt das unternehmensinterne Netz an Qualität und vermeidet Überlastung bestimmter Experten. - Teamprobleme frühzeitig erkennen
Die Belastung einzelner Mitarbeiter geht heute trotz verschiedener Instrumente oft im Alltag unter. Dabei ist unstrittig wie stark Mitarbeiter ihr Engagement im Job mittlerweile vom "richtigen" Gefühl am Arbeitsplatz abhängig machen. Durch die Transparenz gewisser Stimmungsmomente ensteht ein besseres Bild des Mitarbeiters, dass kluge Unternehmen nicht gegen den Mitarbeiter einsetzen, sondern für die Verbesserung der Teamstrukturen nutzen können.
Das klingt alles sehr weit weg? Mehrere Silicon Valley Startups entwickeln Angebote in diesen Bereichen und Vorreiter wie die Spielefirma Valve optimieren bereits heute die Entwicklung neuer Spiele über die Beobachtung des Social Status der Spieler. In Unternehmen kommt die spontane und schnelle Vernetzung als Wettbewerbsvorteil immer mehr zum Tragen - und braucht hier neue Ideen wie Menschen zueinander finden. Je mehr die Kooperation von Menschen zum Erfolgsfaktor wird, desto mehr müssen wir wieder auf Stimmungen und Grundlagen der menschlichen Zusammenarbeit achten. Der Social Status ist hierfür ein Baustein.
Wenn wir im Social Workplace wirklich den Menschen in den Mittelpunkt stellen, gehört der Social Status zur erfolgreichen digitalen Arbeitsumgebung mit dazu.
